Partnerprobleme trotz Meditation, Achtsamkeit oder Psychotherapie? *

Warum haben so viele Menschen – immer noch oder auch immer wieder- Partnerprobleme, obwohl sie viel meditieren, achtsam und bewusst leben, vielleicht auch spirituelle Übungen machen? Anscheinend reicht das oft allein nicht aus, um auch in seinen Beziehungen zufrieden und glücklich zu werden. In diesem Video nenne ich dir einen wichtigen Grund, warum das so sein kann, und was du tun kannst, um das zu ändern.

Ich bin Arzt und Psychotherapeut mit mehr als 35 Jahren Erfahrung und ebenso lange beschäftige ich mich mit Achtsamkeit, bewusstem Leben und moderner Spiritualität. Auf meinem Kanal versuche ich eine Brücke zu bauen zwischen der Welt der Meditation und Achtsamkeit auf der einen Seite und der Welt der Psychotherapie auf der anderen Seite mit praktischen Lösungsansätzen für die Selbsthilfe oder auch anderen Möglichkeiten.

Viele Menschen, die achtsam leben, viel meditieren, vielleicht auch spirituelle Übungen machen, leben in der Hoffnung und Erwartung, dass das auch dazu führen wird, dass sie in ihren Beziehungen zufrieden und glücklich werden. Leider ist das oft aber nicht so. Bei mir war es auch nicht so und ich habe mich auf die Suche gemacht und Wege gefunden, wie man da weiterkommen kann und das ändern kann. In diesem Video möchte ich dir zum einen ein kleines Gedankenexperiment vorstellen, das man aber auch gleich anschließend als kleine praktische Übung im täglichen Leben anwenden kann. Und ich möchte dich auf eine super Meditationsmöglichkeit hinweisen, die mit der grundlegendsten und logischsten Tatsache unseres Lebens beginnt: nämlich unserem Körper.

Natürlich wird vorausgesetzt, dass du bereit bist, bei dir selbst zu schauen, was deine Anteile an Beziehungsproblemen sein können. Das alles nur beim Anderen zu suchen und vermeintlich zu finden, ist zum einen so gut wie nie wahr, zum anderen führt es auch nie zu Lösungen, sondern nur in Sackgassen, aus denen man dann nicht herauskommt.

Zunächst also zu dem kleinen Gedankenexperiment: Stell dir vor, du bist allein und hast gerade lange und intensiv meditiert. Du bist in einem guten meditativen Zustand. Das merkst du daran, dass du ruhig und gelassen bist. Du hast einen guten Kontakt zu deinem Körper und zu deiner Umgebung. Du bist geerdet im Hier und Jetzt. In deinem Kopf bist du klar, um dich herum erlebst du Weite, Raum, viele Möglichkeiten. Wenn wir meditieren, ziehen wir uns von der Umwelt zurück und sind allein ohne jede Interaktion, jedenfalls physisch. Wir sind in einer Ein-Personen-Welt. Innerlich kann es allerdings oft anders aussehen, denn solange unser Alltagsgeist vorherrscht, sind da ganz viele Gedanken und bei alldem, was da in uns vor sich geht, spielen auch immer andere Menschen eine Rolle. Es sind also Zwei-Personen-Situationen oder Mehr-Personen-Situationen. Da kann es natürlich schon sehr kompliziert werden.

Nehmen wir jetzt aber erst einmal an, du bist allein und du bist einem guten stabilen meditativen Zustand. Und jetzt gehst du in eine Begegnung, vielleicht mit deinem Partner oder deiner Partnerin. Statt dir den 100.000. Gedanken zu machen, was vielleicht das Problem eurer Beziehung ist und was es lösen könnte, empfehle ich dir mal einen neuen Weg zu gehen und eine ganz neue Erfahrung zu machen: nämlich in dem Moment, wo die Begegnung eintritt -im allerersten Moment! – genau hinzuschauen, was in dir tatsächlich abläuft. Nicht was du denkst, was da sein könnte, sondern: was läuft tatsächlich ab?!  Was empfinde ich, was ist in meinem Körper los, was fühle ich da, was spüre ich?

Diese Herangehensweise wird dir ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Um das zu tun, empfehle ich dir, sozusagen das Teleobjektiv herauszuholen und ganz tief einzuzoomen auf das, was in dir innerlich tatsächlich vor sich geht in diesem Moment. Und das unter das Mikroskop zu legen. Du kannst es gar nicht genau genug betrachten mit allen Feinheiten und mit allen Nuancen und Details, denn jede Begegnung ist letztlich anders, wenn wir genau genug hinschauen. Gleich sind eigentlich oft nur unsere Gedanken darüber.

Wenn wir das so tun können, wenn uns das gelingt, dann bleiben wir in einem meditativen Zustand. Der Punkt ist: du musst auch noch die super-slow-motion aktivieren, weil das Ganze blitzschnell geht im ersten Moment der Begegnung, die ja meistens mit einem Blickkontakt beginnt. Da hat dein Körper schon vielmehr erfasst, als du überhaupt jemals bemerkt hast und die meisten Menschen bemerken es nie, weil sie niemals dort hinschauen. Der Körper hat eine große innewohnende Intelligenz und bereits in der allerersten Sekunde der Begegnung hat dein Körper schon alles mögliche blitzschnell abgecheckt: deinen Partner, dich selber, die ganze Situation, alles, was er darüber weiß und was er in Erfahrung bringen kann. Das ist dann schon irgendwie präsent und man kann das fühlen, man kann das spüren, wenn man sich darin übt. Das ist jetzt natürlich kein normales Gefühl wie Freude, Trauer oder Wut.  Es ist auch keine körperliche Wahrnehmung wie ein Juckreiz am linken Fuß. Es ist ein ganz bestimmtes Gefühl, das sich da einstellt, vielleicht mehr wie ein spezieller Duft und ein spezieller Geschmack.

Oft passiert aber etwas ganz anderes, als im meditativen Zustand zu bleiben. Nämlich nach kurzer Zeit kommen Gedanken auf, Emotionen, wir denken an die Vergangenheit, was da vielleicht alles vorgefallen ist, an Streitereien, Konflikte oder an die Zukunft. Wir haben Gedanken, was wir jetzt tun sollten, was wir tun müssten, was der andere tun sollte, wie auch immer, 1000 Gedanken. Und wir driften ab in unsere Vorstellungswelt. Die Vorstellungswelt ist aber nicht das, was jetzt in diesem Moment wirklich stattfindet, sondern es ist gewissermaßen nur der Niederschlag der Vergangenheit in uns, über den wir natürlich verfügen können und der ja auch mal wahr war, aber jetzt nicht mehr wahr ist. Jetzt kann alles ganz anders sein.

Wenn das passiert, wenn wir in unsere Vorstellungswelt abdriften, dann fallen wir heraus aus dem meditativen Zustand in den Alltagsgeist, in den Autopiloten. Der holt alte Bilder heraus, die projiziert werden, spult alte Filme ab. Alte gewohnheitsmäßige Verhaltens- und Interaktionsmuster laufen ab und wir halten das für die Wirklichkeit. Wenn zwei in der Beziehung das machen, wenn beide das machen, dann ist die Chance für eine frische neue Begegnung vertan. Autopilot ² kann nicht funktionieren, denn es gibt jede Menge Stoff für Missverständnisse, für Spannungen, für Konflikte.

Also das nächste Mal, wenn du in eine Begegnung gehst und in einem guten meditativen Zustand bist…das ist die Voraussetzung, denn aus dem Alltagsgeist heraus wird dir das wahrscheinlich nicht gelingen. Du kannst es probieren, aber das könnte sehr schwierig sein….also aus dem meditativen Zustand heraus auf den allerersten Moment achten, dieses ganz besondere Körpergefühl erfassen. Wenn du das wirklich tust, bleibst du im meditativen Zustand. Das wird dir ganz neue Möglichkeiten eröffnen, die du vorher noch gar nicht gesehen hast und von denen du gar nicht wusstest, dass es sie gibt.

So mit sich umzugehen und sich selber zu erforschen- das lernen wir leider nicht in der Schule oder im Studium und auch in Psychotherapien geht es oft viel zu verkopft zu. Das bringt oft sehr wenig oder gar nichts. Wir wissen ja, dass ein Großteil unserer Gedanken ohnehin überflüssig ist. Vielleicht sind 20, 25 % negativ oder destruktiv. Nur wenige Prozent sind konstruktiv und positiv. Weil wir das nicht in der Schule oder im Studium gelernt und geübt haben, müssen wir uns damit beschäftigen, es jetzt zu üben und zum Glück kann man das und auch sehr erfolgreich und immer besser, je länger man sich damit beschäftigt.

Und das bringt mich zum zweiten Punkt in diesem Video: zur Empfehlung für eine super Meditationsform. Es ist der body scan. Das ist der perfekte Weg, das zu üben. Der body scan wurde ursprünglich aus einer buddhistischen Meditation entwickelt, enthält aber nichts „buddhistisches“ oder religiöses. Vielmehr ist er eine ganz nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was in uns tatsächlich ist, das, was die Wahrheit in jedem Moment, von Moment zu Moment, ist. Das ist, so wie ich es sehe, ein wissenschaftlicher Ansatz. Es ist der Beginn einer Wissenschaft von uns selbst – nicht der Wissenschaft von den Dingen da draußen, die wir in der Schule gelernt haben. Alles gut und richtig und wahr, nur, die Wissenschaft von uns selbst können nur wir selbst betreiben. Niemand kann in uns hineinschauen, kann das fühlen und sehen, es ist aber entscheidend. Wenn wir uns das ausreden lassen, weil man vielleicht argumentiert, das ist ja total subjektiv und damit sozusagen wertlos, wenn wir uns das ausreden lassen, dann nehmen wir uns selbst nicht mehr ernst, nehmen wir die Lebensgrundlage nicht mehr ernst: unseren Körper und das was darin passiert. Und daraus kann nichts Gutes erwachsen.

Beim body scan geht man den ganzen Körper durch – deswegen auch „scan“-  ohne irgendeinen Teil auszulassen und spürt einfach hin, was man jeweils wahrnimmt. Dabei gibt es keine Bewertung, es gibt kein richtig oder falsch, kein gut oder böse. Wenn es in meinem linken großen Zeh kribbelt, kribbelt es da. Das ist wie eine innere Tatsache. Daran gibt es nichts zu bekritteln oder drüber nachzudenken.

Wie genau man einen Bodyscan macht, kannst du im Netz recherchieren, in meinem Buch nachlesen oder in einem meiner folgenden Videos anschauen.

* nach dem Transskript vom gleichnamigen Video-Blog https://www.youtube.com/watch?v=uxtgCTMVGHY

(siehe auch diese Website unter Vlog)

Zwei wichtige Gründe, warum Achtsamkeit und Meditation allein zu wenig sein können

Wer regelmäßig meditiert und um ein achtsames, bewusstes Leben bemüht ist, oder auch andere spirituelle Übungen macht, verbessert dadurch seine Lebensqualität deutlich. Sie/er wird ruhiger, klarer, ist mehr bei sich, alles wunderbare Voraussetzungen, um auch die Beziehung(en) zu verbessern. Oft bleiben aber trotz dieser Übungen und der dazu nötigen Disziplin Schwierigkeiten und Probleme gerade in der Partnerbeziehung. Spannungen, Konflikte, Streit bleiben ein Dauerthema und es stellt sich einfach keine gute Entwicklung ein. Warum ist das so? Und wie kann man es ändern? In diesem Blog nenne ich zwei wesentliche Gründe und Ansätze zur Abhilfe.

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Über Ängste

Jeder Mensch kennt Angst und lebt – mehr oder weniger, seltener, öfter oder sogar ständig- mit ihr. Angst hat 1000 Gesichter und 1000 Ausprägungsgrade. Sie kann sich direkt zeigen, als krasse, unverblümte, massive Angst, die dann in uns die Führung übernimmt und alles dominiert. Sie kann aber auch ganz subtil und unauffällig daherkommen und verdeckt aus dem Hintergrund wirken. Im Kopf kann sie sich durch vermehrte Gedanken an Risiken und Gefahren äußern. In unseren Gefühlen gibt es eine ganze Skala von Nuancen, von leichter Beklommenheit über ein eindeutiges Angstgefühl bis hin zu schrecklichen Emotionen von Tod und Grauen. Körperlich gibt es eine entsprechende Skala, von leichter Angespanntheit, z.B. im Nacken, den Schultern und Armen, über ein mulmiges Gefühl im Bauch, bis hin zu heftigen Äußerungen von Angst mit Herzrasen, Schweißausbrüchen, Zittern u.v.a.m.

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Persönlichkeitsentwicklung: lebenslange Arbeit an sich selbst?

Ich habe in meinem Leben eine große Zahl von Übungen gemacht, um an mir selbst, meinem inneren Zustand, meinem Körper, meinem Verhalten zu arbeiten und ein irgendwie glücklicherer, weniger leidender Mensch zu werden. Alle spirituellen Lehren und psychologischen Methoden geben vor, unablässig an sich zu arbeiten und zu üben, Tag für Tag. Einfach nur so zu leben geht gar nicht, nach dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“.

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Reicht ein Wochenende?

Reicht ein Wochenende?

An einem “super-intensiven” Wochenende oder in einem Retreat von einer Woche die entscheidenden Veränderungen erreichen, die das ganze Leben transformieren und alles neu machen? Jahrelange Probleme in kurzer Zeit für immer hinter sich lassen mit der neuesten, einzigartigen Methode XYZ?Einen ganzen Intensiv-Tag von “einer der besten Coaches der Welt” geschult werden? Auf dem Esoterik, Coaching &Co.-Jahrmarkt gibt es jede Menge solcher und ähnlicher Angebote. Dass jemand damit seine Brötchen verdient und wieviel, wird aus Respekt von dem vermeintlich tollen Coach/Facilitator/Heiler gar nicht hinterfragt oder nur am Rande wahrgenommen. Zu groß sind die Hoffnungen auf schnelle Erfolge, die hier geweckt werden.

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Von Schubläden und Spaltung

Mögen Sie/ magst du auch diese alten Schränke mit den vielen gleich großen Schubkästen, die es früher in alten Eisenwarenläden oder Apotheken gab? Auf mich üben diese Teile eine gewisse Faszination aus. Hier hat alles seine Ordnung, alles hat seinen Platz, die unzählig vielen kleinen Dinge, die sonst unsortiert in der Gegend herumliegen würden sind schnell zu finden. Klare Strukturen, waagerecht und senkrecht, und alle Schubläden sind genau gleich groß! Wunderbar und beruhigend! Und ästhetisch auch noch mit den schönen alten Hölzern!

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Über meditatives Essen und Trinken

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich während eines Schweige-Retreats die Pause am Nachmittag genossen habe. Nach dem stundenlangen Meditieren ab 5:00 Uhr morgens und der Stunde praktischer Arbeit im Haus, die täglich zu absolvieren war, saß ich nun in der Bibliothek mit meinem Becher Tee in der Hand, umgeben von den vielen alten Büchern, in der Nähe des Altars mit der Buddha-Figur, mit dem wundervollen Ausblick auf den Garten und den Hang hinunter auf den tiefer gelegenen See. Wasser, Bäume, Blumen, Vögel…Natur pur.

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Polarisierung- wie innen so auch außen

Wir leben in bewegten Zeiten, in denen es zunehmend unruhiger zu werden scheint.   Zumindest unsere Medien  zeichnen so ein Bild. Außenpolitisch sowieso, aber auch innenpolitisch  formieren sich mehr und mehr Kräfte gegeneinander anstatt eines Füreinander zum relativen Wohl aller.  Die Polarisierung in gegnerische, wenn nicht  sogar feindliche, Lager  nimmt zu. Die Grundidee der Kombattanten  ist den Gegner zu besiegen, auszuschalten, unschädlich zu machen,  und selbst die alleinige Macht  und Kontrolle über die  Situation zu erlangen.

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Innere Räume betreten

Unseren Input über unsere Sinne unmittelbar wahrzunehmen, ist ein wesentlicher Teil unseres Zugangs zum Hier und Jetzt, ohne den ein Leben in der Präsenz nicht möglich ist. Wer nicht richtig (zu) hört, sieht, riecht, schmeckt, fühlt, läuft halb blind und taub durch sein Leben und verwechselt in seinem Kopfkino ständig seine Vorstellungen und vorgefassten Meinungen über die Dinge mit der Realität. Das ist zwar leider ganz “normal”, verursacht aber jede Menge Probleme. Deshalb ist es in höchstem Maß sinnvoll, die unverfälschte, direkte, unmittelbare Wahrnehmung über unsere Sinne zu üben, bis das zur automatisch ablaufenden neuen festen Gewohnheit geworden ist.

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